Woronesch/ Russland - Keine Sabotage durch Radaranlagen des US-Militärs sondern ein durch kosmische Strahlung ausgelöster Fehler im Bordcomputer, war der Grund dafür, dass die russische Marsmond-Sonde "Fobos-Grunt" ihren Weg aus der Erdumlaufbahn nicht herausfand und einen Monat später in der Erdatmosphäre verglühte. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht russischer Experten, der damit zugleich Vorwürfen von russischen Wissenschaftlern und Politikern widerspricht, das Raumschiff sei Opfer von Radarstrahlen des US-Militärs geworden.
Wie die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos am Dienstag mitteilte, sei es zu einem Neustart der Bordcomputeranlage gekommen, die sich dann auf den Energiespar- und Wartemodus umgestellt habe, statt die Sonde Richtung Mars zu feuern. Die Nachrichtenagentur "Ria Novosti" zitierte zudem den Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin dahingehend, dass die "lokale Einwirkung von schweren geladenen Weltraumteilchen auf die Bordcomputeranlage die wahrscheinlichste Ursache für den Computerausfall" handele.
Zuvor hatte Popowkin in einem Interview schwere Vorwürfe in Richtung westlicher Staaten, allen voran gegen die USA erhoben - ohne diese jedoch direkt namentlich zu nennen. Demnach könnte die russische Mars-Sonde möglicherweise Opfer des Angriffs eines Satellitenabwehrsystems gewesen sein. Auch andere aktuelle und zugleich gescheiterte Raumfahrtmissionen Russlands führte Vladimir Popovkin auf mögliche Einflussnahme durch störende "starke Radar-Signale von einer Anlage in Alaska" zurück. Die US-Seite hatte eine solche Erklärung für den Fehlschlag der Mission ebenso abgewiesen wie eine Beteiligung an einer Untersuchung der Ursachen (wir berichteten).