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Mythos Nikolaus und Co.

05.12.2009 - 16:49 Uhr von Grigorios Petsos
Weihnachtsmann oder Nikolaus?
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Weihnachtsmann oder Nikolaus?

 © Getty Images

Alle Jahre wieder kommt das Christkind ... oder der Weihnachtsmann? Und wer ist eigentlich dieser Knecht Ruprecht? Ist der Nikolaus nicht eigentlich der Weihnachtsmann, denn er heißt doch auch Santa Claus? Oder hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden? Wir bringen ein Licht in das Dunkel der Weißen Weihnacht.

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Das Weihnachtsfest oder Christfest hat viele Wurzeln und wird als christliches Fest der Geburt Jesu hauptsächlich am 25. Dezember gefeiert. Ob Jesus wirklich am 25. Dezember geboren wurde, ist allerdings stark zu bezweifeln. Denn es gibt keinerlei Quellen, die darüber Auskunft geben und auch den frühen Christen war der Geburtstag Jesu unbekannt. Da aber die Mariä Empfängnis schon auf den 25. März festgelegt worden war, wird genau neun Monate später die Geburt Jesu gefeiert.

Heiliger Abend am 24.12.?
Doch warum wird dann heute eigentlich der 24.12. als Heiliger Abend gefeiert, wenn der Geburtstag am 25. gewesen sein soll? Einerseits steht in der Bibel, dass Jesus nachts geboren wurde, andererseits begann für die Menschen im Mittelalter der Tag mit dem Sonnenuntergang und nicht wie wir es heute kennen mit dem Sonnaufgang. Und so gehörte der Heilige Abend des 24. damals noch zum 25. Dezember. Der Heilige Abend war also der Beginn des 25.12.

Die Christmetten finden deshalb in Deutschland auch heute noch mitternachts oder am späten Heiligen Abend statt. Deshalb gilt der 25.12. in den meisten Ländern als der Hauptfeiertag des Weihnachtsfestes. Im deutschsprachigen Raum hat sich allerdings der 24.12. durchgesetzt. Aus praktischen Gründen hat sich hier die Weihnachtsfeier sogar bis in den späten Nachmittag des 24. Dezember verschoben. Man wartet meist bis es dunkel wird, was kein Problem ist, da der Sonnenuntergang an Weihnachten auch schon um halb vier Uhr nachmittags beginnt.

Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz kam zudem noch der 26. als Weihnachtsfeiertag hinzu, was aber weder religiös noch folkloristisch begründet werden kann. Das religiöse Weihnachtsfest geht aber bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige.

Gesichert ist, dass es spätestens seit dem 25. Dezember 336 einen zumindest ähnlichen Feiertag in Rom gab. Oft wurde vermutet, dass altgermanische Julfest sei der Vorläufer des Weihnachtsfestes. Wahrscheinlicher ist aber eine Ableitung vom römischen Fest des Sonnengottes (sol invictus).

Luther gegen den Nikolaus
Aber erst seit dem 16. Jahrhundert gibt es den Brauch sich an Weihnachten gegenseitig und vor allem die Kinder zu beschenken. Dieser Brauch war im Zuge der Reformation in den evangelischen Landesteilen eingeführt worden. In den katholischen Gebieten wurde aber weiterhin am Nikolaustag beschert. Der Adventskranz, der Weihnachtsbaum und auch der Weihnachtsmann kamen aber erst viel später im 19. Jahrhundert dazu.

Trotzdem blieb der Nikolaus, bisweilen in Gesellschaft von Knecht Ruprecht, bis heute der Gabenbringer am 6. Dezember. Nikolaus von Myra war ein Bischof des 4. Jahrhunderts und von vielen Sagen umwoben; er wurde auch als Schutzpatron der Kinder geehrt. An seinem Namenstag werden deshalb auch nur die Kinder beschenkt.

Mischung aus Sage und Historie
Regional unterschiedlich, aber vor allem in den Niederlanden und in Nordwestdeutschland bringt der Nikolaus am Vorabend des 6.12. traditionell Nüsse aber auch Süßigkeiten oder legt diese des nachts in die eigens dafür aufgestellten Nikolausstiefel. Der Nikolaus kann seinen Ursprung auch in einer nordischen Sagengestalt gehabt haben, die mit Ruten und Nüssen auf die kalte Jahreszeit vorbereitet. Dabei symbolisierten die Nüsse nahrhaftes und haltbares Essen, die Rute war ursprünglich ein Fruchtbarkeitssymbol.

Doch im deutschen und vor allem im österreichischen Raum hatte der Nikolaus auch bedrohliche Aspekte. Die Kinder wurden teilweise mit Gräueltaten, bis hin zum Aufschlitzen und Kinderfressen, bedroht, wenn sie denn nicht artig gewesen sein sollten. Diese künstlich aufgebaute Bedrohung wurde Jahrhunderte lang als erzieherisches Mittel eingesetzt. Meist war allerdings nicht Sank Nikolaus der Vollstrecker, sondern sein Kompagnon Knecht Ruprecht. Er hatte den bösen Part zu übernehmen, denn der Nikolaus war ja ein Heiliger.

"Von drauß' vom Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!" Das Gedicht "Knecht Ruprecht" des Dichters Theodor Storm ist bezeichnend für das ambivalente Auftreten der Weihnachtsheiligen aber auch für die regional sehr unterschiedliche Ausprägungen des Weihnachtsfestes und des Nikolaustages.

Multiple Erscheinungsformen
Auch der nur regional in Erscheinung tretende Knecht Ruprecht ist dabei in verschiedenen Rollen zu sehen. Ursprünglich war er der Begleiter oder Gehilfe des Nikolaus und trägt eine braune oder schwarze Kutte und am Gürtel eine Rute. Die Geschenke hat er in einem Korb auf seinem Rücken, wirklich aktiv wurde aber auch er nie, auch wenn er oft sogar bisweilen als Teufel auftrat.

Die Bezeichnung Knecht Ruprecht ist zwar die verbreitetste, aber viele kennen ihn auch als Schimmelreiter (in Ostpreußen), Bullerklas (Norddeutschland), Hans Muff oder Belzebub (Rheinland), Hans Trapp (Elsass), Schmutzli (Schweiz) oder Klaus (Allgäu). In Österreich, Altbayern und Südtirol existiert zudem die Figur des Krampus, Bartls oder Klaubauf, der ursprünglich aber eine rein heidnische Gestalt darstellte, welche die Dunkelheit vertreiben sollte. Der Krampus machte auch durchaus von seiner Waffe, der Rute, Gebrauch.

Ruprecht macht sich selbständig
Als der Nikolaus aber zunehmend vom Weihnachtsmann und auch vom Christkind verdrängt wurde, begann Knecht Ruprecht ein Eigenleben zu entwickeln und zog vielerorts bald solo von Tür zu Tür. Auch die Figur des spätmittelalterlichen Kinderschrecks, der sich übrigens auch in anderen Schreckfiguren dieser Zeit personifizierte, hatte zunehmend ausgedient und so wandelte sich Knecht Ruprecht sogar selbst zum Heiligen, und zwar unter dem Namen Herr Sankt Ruprecht.

Meist ist er heute jedoch ein Art Nikolaus, der beschenkt und bestraft, letztlich aber nur beschenkt. Doch bevor der Weihnachtsmann im 19. Jahrhundert für alle Christen eingeführt wurden, verehrten die Protestanten noch eine andere symbolische Weihnachtsfigur, welche die Geschenke an Weihnachten brachte. Gerade den Nikolaus wollte Luther nicht nehmen, da er ein katholischer Heiliger war und außerdem hatte dieser ja schon am 6. Dezember seinen großen Tag, was sich auch nicht ändern ließ.

Und so begab es sich, dass Martin Luther das liebliche, engelsgleiche Christkind erfand, das aber bisweilen auch den Knecht Ruprecht oder andere Begleitpersonen bei sich hatte.

Im Gegensatz zu Knecht Ruprecht ist das Christkind gutmütig und wohlwollend. Es kommt meist ungesehen am Heiligabend oder in der Nacht zum 25. Dezember und bringt die Weihnachtsgeschenke.

Wandel der Vorzeichen
Denn Luther wollte trotz der Ablehnung des katholischen Nikolaus auf den Brauch des Schenkens nicht verzichten und ersetzte diesen durch das elsässische Christkind, das am 25. Dezember Geschenke verteilte. Erst ab 1900 hatte sich das Christkind auch bei den Katholiken durchgesetzt. Gleichzeitig löste dann wiederum bei den Protestanten der Weihnachtsmann nach und nach das Christkind ab, weshalb Luthers Christkind heute fast nur noch katholische Familien aufsucht.

Das Christkind wird meist als kleines engelhaftes Mädchen dargestellt, das Nürnberger Christkindl, welches jedes Jahr neu gewählt wird, ist aber ein junge Frau, die mindestens 16 Jahre alt sein muss, die gleichwohl aber nicht weniger engelgleich wirken sollen.

Christkind gleich Jesuskind?
Oft wird das Christkind mit dem Jesuskind verwechselt. Dagegen spricht, dass das Christkind immer als weiblich oder als weiblicher Engel dargestellt wurde. Für eine Jesus-Personifzierung spricht, dass Luther keine Heiligen gelten lassen wollte und deshalb seine Figur "der heilige Christ" nannte, Jesus Christus also selbst zum weihnachtlichen Protagonisten machte. Möglicherweise wurde das engel- und damit mädchenhafte dann später dazu gedichtet. Wahrscheinlicher ist aber die Herkunft von Weihnachtsspielen, bei denen Christkinder dem Jesuskind Geschenke bringen.

Ganz anders als der Weihnachtsmann, dem auf eher heidnische Art ein Wohnort zugeschrieben wird, erscheint das Christkind nur an Weihnachten und ist so schnell wie der Wind, weshalb man es nicht (kommen und gehen) sehen kann. Bevor es geht, zündet es die Kerzen am Baum an, damit die Familie weiß, dass es da gewesen ist. So jedenfalls wird es den Kindern erzählt.

Der Weihnachtsmann machte allerdings schon immer seine persönliche Aufwartung. Mal kommt er durch die Tür, mal durch den Schornstein.

Der Weihnachtsmann ist Nikolaus und Knecht Ruprecht in einem. Als legitimer Ableger des Heiligen Nikolaus hat er sowohl die Rute als auch den Sack mit Geschenken dabei. Man kennt ihn als pausbäckig mit weißem, langen Bart, rosige Wangen und einem langen, roten Mantel mit weißem Pelzbesatz. Oft wurde behauptet, dieses Bild des Weihnachtsmannes, und fälschlicherweise auch oft des Nikolaus, sei von einer Coca-Cola-Werbekampagne erfunden wurde.

Ein standardisierter Weihnachtsmann
Tatsächlich trägt der vielleicht erste dargestellte Weihnachtsmann von 1809 in dem Buch "Knickerbockers Geschichten aus New York" von Washington Irving einen "tiefen Hut mit breiter Krempe, eine riesige flämische Kniehose und lange Pfeife"; sah also noch ganz anders aus. Andere Darstellungen des 19. Jahrhunderts sehen ihn als kleinen Kobold oder alten Wicht. Ein anonymes Gedicht von 1823 "The Night before Christmas" beschreibt aber schon einen dicken gemütlichen Mann, dessen Bauch wackelt, wenn er lacht. Hier finden auch die Rentiere zum ersten Mal Erwähnung.

Die wohl erste bildliche Darstellung des heutigen Weihnachtsmanns findet sich beim deutschen Struwelpeter von 1844. Aber erst in den Zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts hatte sich unter vielen Konkurrenten der weiße Rauschebart mit dem roten Mantel endgültig durchgesetzt. Und am 27. November 1927 hatte sich dieses Bild schon so weit verbreitet, dass die New York Times schrieb: "Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart."

Weihnachtsmann abgekupfert
Doch erst 1931 beauftragte Coca-Cola den Zeichner Haddon Sundblom, den "Santa Claus", wie der nordamerikanische Weihnachtsmann heißt, für eine Werbekampagne zu zeichnen und nahm sich eben die Figur zum Vorbild, die schon weit verbreitet und gleichzeitig sympathisch und familientauglich war.

Da Sundblom bis 1966 jedes Jahr einen Weihnachtsmann zeichnete, der zwar jedes Mal etwas variiert wurde, aber immer der grundsätzlichen Erscheinungsform entsprach und weltweit verbreitet wurde, wird auf der einen Seite der Eindruck erweckt, Coca-Cola hätte den Weihnachtsmann entworfen. Auf der anderen Seite wurde so der Weihnachtsmann eine weltweit einheitliche Erscheinung.

Nikolaus wird Weihnachtsmann
Für Verwirrung sorgt allerdings bis heute, wie sich im Laufe der Jahrhunderte Nikolaus und Weihnachtsmann immer wieder vermischten oder verwechselt wurden. Das zeigt sich nicht nur daran, dass der moderne Nikolaus, zum Beispiel aus Schokolade, genau so dargestellt wird wie der Weihnachtsmann. Das sieht man aber auch am Migrationshintergrund der beiden Rutenträger.

Mit Santa Klaas, dem holländischen Nikolaus kam er nach Amerika. Dort wurde der ehemalige Heilige Nikolaus zum amerikanischen Weihnachtsmann Santa Claus; wohl auch deshalb, weil erstens sowohl Weihnachtsmann, als auch Nikolaus von derselben historischen Person des Bischofs Nikolaus abgeleitet werden können, und zweitens, weil Nikolaus und Weihnachtsmann von Anfang verwechselt wurden.

Egal, wie Sie feiern und wer bei Ihnen die Geschenke bringt, wir wünschen Ihnen ein frohes Fest.



Quelle: freenet.de
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