von Thomas Német
Um das Thema Lernen während des Schlafens ranken sich verschiedenste Mythen. So soll unter anderem ein Buch, welches just vor dem Schlafen gehen unter das Kopfkissen gepackt wird, Frau oder Mann helfen am drauffolgenden Morgen schlauer zu sein.
Allerdings, so abwegig dieses Rezept auch klingt, ein Stück
Wahrheit beinhaltet es trotz allem. Lernen soll kurz vor dem
Schlafengehen die Gehirnaktivität während des Schlafes erhöhen.
"Schlafen ist harte Arbeit für Teile des Gehirns", sagen
amerikanische Neurowissenschaftler.
Diese fanden heraus, das Gehirnregionen, die mit Lernen in
Verbindung gebracht werden, zu erhöhter Aktivität bei schlafenden
Personen neigen, die zuvor eine neue Fähigkeit erlernt haben. Aus
dem Ergebnis schlussfolgerten die Forscher, dass der Schlaf
keinesfalls nur eine Art "Standby-Modus" ist, sondern wichtige
Funktionen bei der Festigung von Gelernten hat.
Während des Schlafes wird gelernt
Während der Nacht werden die Informationen verarbeitete und das
hat eine "Einzementierung" der neu erlernten Fähigkeiten zur Folge,
lautete die Erkenntnis der Forschertruppe. Gewonnen hat dieses
Wissen, Giulio Tononi von der Universität von Wisconsin in Madison
gemeinsam mit seinen Kollegen.
Diese haben in Versuchen die Gehirnaktivität von Personen
gemessen, die vor dem Schlafengehen ein einfaches Computerspiel
erlernt hatten. Dabei stellte die Forschergemeinschaft fest, dass
ihre Probanden in einer centgroßen Region des Gehirns erhöhte
Aktivität zeigten, die mit dem Lernen in Zusammenhang gebracht
wird.
Bei Versuchspersonen, die stattdessen nur am Computer
spielten, trat dieser Effekt nicht auf. Daraus leiteten die
Wissenschaftler ab, dass im Schlaf Nervenbahnen aktiviert werden,
die tagsüber verändert worden sind und nicht einfach nur benutzt
wurden.
Auch stellten sich die Probanden mit hoher Aktivität in dieser
rechten Gehirnhälfte gelegen Regionen am nächsten Morgen
geschickter an, sagen die Forscher. Somit konnte zum ersten Mal
gezeigt werden, dass Erlebnisse, die während des Tages auf den
Menschen einwirken, spezifische Gehirnareale während des Schlafes
anregen.
Robert King Neurowissenschaftler an der Universität von
Kalifornien in Berkeley bezeichnet diese Studie als sehr elegant.
Grundsätzlich wird während der Nachtruhe das Feuern der
Nervenzellen im Gehirn synchronisiert und erzeugt ein Signalmuster,
das von den Forschern slow wave activity kurz SWA, genannt wird.
SWA ist charakteristisch für lange Tiefschafphasen, die von
kurzen Rapid-Eye-Movement-Phasen, in denen das Träumen
stattfindet, unterbrochen werden. Als wesentlich interessante Frage
sah der US-Neurowissenschaftler allerdings die Thematik: Welche
Teile des Körpers wirklich ruhen müssen und warum, an.
Rastlose Delphine
Ausgehend von dieser Aufgabenstellung tastete sich der Forscher
an das Problem: Körper oder tagsüber beanspruchter Geist, heran.
Durch Rückgriffe auf das Tierreich fand Tononi schließlich
Antworten auf sein Problem.
Delphine zum Beispiel können ihre beiden Gehirnhälften
getrennt voneinander ausschalten. Dadurch können die Könige der
Ozeane fast weitgehend auf Ruhepausen verzichten. Seinen zwölf
Probanden stellte der Forscher die Aufgabe, Fragestellungen in Form
eines einfachen Computerspieles zu lösen.
Am PC sollten die Probanden einen Cursor auf eine festgelegte
Position hin bewegen. Dabei wurde ohne Wissen der
Versuchsteilnehmer bei einigen Test der Rechner so manipuliert,
dass die Steuerung des Cursors erschwert wurde. Letztlich mussten
sich so die Getesteten unterbewusst an die erschwerte Steuerung
anpassen. Dieses bedeute einen impliziten Lernaufwand, erklärt der
Forscher.
Die so getesteten zwei Gruppen zeigten in der Versuchsauswertung
Unterschiede. Nach einem nicht manipulierten Spiel maßen, die
eigens dafür am Kopf der schlafenden Versuchspersonen angebrachten
256 Elektroden, eine normale SWA. Ganz anders die Ergebnisse bei
der Gruppe bei der die Cursorsteuerung manipuliert wurde.
Hier erhöhte sich die SWA an sechs Elektroden, die alle auf
eine einzige Gehirnregion hindeuten, so Tononi. Die Forschergruppe
verglich weiterhin die Gehirnaktivität verschiedener Personen
miteinander. Personen die größere Schwierigkeiten mit der
Computersteuerung hatten, zeigten den stärksten lokalen Anstieg der
SWA.
Aus diesem Versuch schlussfolgern die Amerikaner, dass
Nervenbahnen im Gehirn umstrukturiert werden, um den Lernprozess zu
unterstützen. Personen mit erhöhter SWA steigerten über Nacht ihre
Leistung, die mit niedriger SWA dagegen nicht, lautete das Ergebnis
der Forschergruppe um Tononi.