Richard Dawkins, Professor an der renommierten britischen Oxford-Universität, hat darauf hingewiesen, dass es bereits im Jahr 2050 individuelle Genomkarten Ärzten ermöglichen werden, Vorhersagen zu treffen, an welchen Krankheiten ein Patient leiden und woran er oder sie sterben wird. Dawkins zufolge werden diese vollständigen Genomsequenzen für den niedrigen Preis von 100 britischen Pfund zu haben sein.
Gleichzeitig warnt der Entwicklungsbiologe Professor Dawkins – der mit seinen Ansichten über das Klonen Kontroversen ausgelöst hat – vor dem potenziellen Missbrauch solcher Informationen und stellt deren möglichen Nutzen für den einzelnen Patienten in Frage.
Dawkins sagte: "Im Jahre 2050 werden Sie für den Preis einer Röntgenuntersuchung der Brust den vollen Text jedes einzelnen Ihrer Gene erfahren können." Anhand dieser Information könnten Ärzte Rezepte ausstellen, die genau auf das individuelle Genom des Patienten abgestimmt sind, fügte Dawkins hinzu.
"Auf der anderen Seite", sagte Dawkins, "wird dieser persönliche Ausdruck Ihrer Gene ebenfalls Ihr natürliches Ende voraussagen - und zwar mit erschreckender Genauigkeit." Über die möglichen Auswirkungen einer solchen Genomkarte meint der Professor:
"Werden wir das überhaupt wissen wollen? Und selbst wenn wir selbst es wissen wollen – werden wir es gut finden, dass Versicherungsstatistiker, Vaterschaftsanwälte oder die Regierung den Inhalt dieses DNS-Ausdrucks kennen? Auch in einer liberalen Demokratie ist eine solche Aussicht nicht für alle verheißungsvoll. Es sollte darüber nachgedacht werden, wie ein Hitler der Zukunft ein solches Wissen missbrauchen könnte."
Der Direktor der humangenetischen Abteilung des britischen Medizinischen Forschungsrates sagte, dass individuelle genetische Informationen helfen können, das Augenmerk auf mögliche Risikofaktoren bei Krankheiten zu lenken, aber er bezweifle, dass sich dadurch tatsächlich genaue Aussagen über Todesursachen treffen lassen.
Professor Nick Hastie, der am Western General Hospital im schottischen Edinburgh praktiziert, sagte, die meisten Krankheiten seien das Resultat der komplizierten Interaktion vieler Gene, kombiniert mit äußeren Faktoren wie etwa dem persönlichen Lebensstil. Er erklärte: "Die Gene sind sehr bedeutsam, aber das ist der Lebensstil auch. Asthma und Diabetes sind auf dem Vormarsch, aber die beteiligten Gene haben sich im Gegensatz zu den Umweltfaktoren nicht verändert." Es geht hier darum, die Implikationen erhöhter Risikofaktoren einzuschätzen. Aber wird es wahrscheinlich von Nutzen sein, oder wird es die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode ängstigen?
Andererseits gesteht Professor Hastie ein, dass individuelle Genomkarten helfen könnten, die Menschen über die Risiken mancher Krankheiten aufzuklären. Zum Beispiel könnte Menschen mit einer Anfälligkeit für Emphyseme geraten werden, mit dem Rauchen aufzuhören.
Hastie glaubt auch, dass ein besseres Verständnis der Gene den Weg ebnen könnte für neue Behandlungen von Krankheiten, die in Verbindung zu einzelnen Genen stehen wie etwa das Huntingdon-Syndrom und manche Arten muskulärer Dystrophien.
Dawkins' Blick in die Kristallkugel hat noch weitere erschreckende Voraussagen über die potenziellen Nutzungsmöglichkeiten individueller Genomkarten hervorgebracht. Er sagte, dass Ermittler in der Lage sein könnten, ein Computerbild eines Verdächtigen zu generieren anhand der genetischen Information in einem Blutfleck, der an einem Tatort gefunden wird.
Weiter sagt Dawkins voraus, dass das Kartieren des Humangenoms ein riesiges Potenzial berge für das Aufspüren unserer eigenen Vorfahren. Er fügte hinzu: "Bevölkerungsgenetiker werden über die ultimativen Daten über die menschliche Diversität verfügen. Es wird möglich sein, Stammbäume der Verwandtschaft aufzustellen, die jeden Menschen auf der Welt mit jedem anderen Menschen verbinden."
Professor Dawkins sagte, dies könnte zur Verwirklichung der kühnsten Träume von Geschichtswissenschaftlern führen, wenn die geografische Verteilung von Genen dazu genutzt wird, frühere Migrationen und Invasionen zu rekonstruieren, wie etwa die der Wikinger. Er glaubt sogar, dass es möglich sein könnte, das Genom unseres fehlenden Vorfahren Australopithecus zu rekonstruieren, der vor rund fünf Millionen Jahren in Afrika lebte und der uns Menschen mit den Schimpansen verbindet.