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Hitlers angebliches Schädelfragment stammt von einer Frau

04.10.2009 - 12:01 Uhr

Als größter Beweis für den Tod Adolf Hitlers galt in den vergangenen Jahrzehnten ein Schädelfragment, das dem Diktator gehört haben soll. Untersuchungen belegen nun: Das Knochenstück gehörte zum Kopf einer Frau.

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Der wichtigste faktische Beweis für den Tod Adolf Hitlers war bislang ein Schädelfragment, das dem Diktator gehört haben soll. Untersuchungen des Erbguts an diesem Knochenstück belegen nun: Das Fragment kann nicht von dem Diktator stammen.

Wie zu erwarten, bezweifeln offizielle Vertreter des Russischen Staatsarchivs die Ergebnisse der amerikanischen DNS-Untersuchung am angeblichen Hitlerschädel. Übrig geblieben von einem der größten Massenmörder der Geschichte sind nur ein Stück vom Kiefer, eine Zahnbrücke und bislang das angebliche Fragment seines Schädels. Alle Überreste werden im Staatsarchiv in Moskau gelagert.

Nick Bellantoni ist Professor für Anthropologie und der Staatsarchäologe des US-Bundesstaats Connecticut. Nach eigener Aussage konnte er das Schädelfragment im Russischen Staatsarchiv untersuchen. Sein Ergebnis: Zweifelsfrei enthält der Knochen weibliches Erbgut. Das Fragment kann also nicht von Adolf Hitler stammen.

Aufgrund der Ergebnisse schießen jetzt erwartungsgemäß wieder die wildesten Verschwörungstheorien ins Kraut. Hitler sei die Flucht aus Berlin gelungen. Ein Double sei an seiner Stelle gestorben und er habe seinen Lebensabend in Südamerika verbracht. So lauten zwei der gängigsten Theorien zum Überleben des Diktators.

An Hitlers Tod gibt es jedoch unter seriösen Forschern keinen Zweifel. Augenzeugen berichten vom Tod Eva Brauns durch Zyankali. Auch berichten diese Zeugen, wie Hitler erst die Giftkapsel geschluckt und sich dann mit einem Schuss in die rechte Schläfe das Leben genommen habe. Die Leichen wurden daraufhin im Garten des Bunkers verbrannt und beerdigt.

Nach dem Einmarsch der Russen wurden die Leichen bereits im Mai 1945 exhumiert und die Identität der beiden Toten durch zahnmedizinische Belege überprüft.

Bei diesen Untersuchungen ging im Chaos bei Kriegsende ein Stück von Hitlers Schädel verloren. Gefunden wurde das fehlende Stück - so nahm man zumindest an - ein Jahr später bei Aufräumarbeiten. Wie sich jetzt herausgestellt hat, eine falsche Annahme.

Gemeinsam mit dem Kieferknochen landete das Schädelfragment schließlich im Russischen Staatsarchiv und blieb dort unter Verschluss. Dies sowie die fehlende Dokumentation der endgültigen Verbrennung der Hitler-Überreste im Jahr 1970 durch den KGB förderten jedoch wilde Theorien zum angeblichen Überleben des Diktators.

Um diesen aberwitzigen Theorien zu beenden, zeigte der russische Geheimdienst FSB im Jahr 2000 unter anderem auch das Stück des vermeintlichen Hitlerschädels. Die Präsentation war Teil der Ausstellung "Agonie des Dritten Reichs. Vergeltung".

Für Bellantoni, den amerikanischen Anthropologen, war sofort klar, dass es sich bei dem Knochenstück nicht um Hitlers Schädel handeln konnte. "Hätte man mir dieses Schädelfragment in einer normalen forensischen Untersuchung auf den Tisch gelegt, hätte ich gesagt: Frau, 20 - 40 Jahre alt, starb bei einem Hausbrand", erklärte der Forscher in einem Video der "University of Connecticut".

Dünne Schädelplatten sind ein Merkmal von Frauen. Und die Nähte zwischen den einzelnen Platten des Schädels sahen viel zu jung aus für einen 56-jährigen Mann. Gerade die Verbindungen zwischen einzelnen Knochenplatten sind ein sehr guter Hinweis auf das Alter des Verstorbenen, da sie sich bei allen Menschen nach charakteristischen Mustern im Lauf des Lebens verändern.

Laut "spiegel.de" durfte der amerikanische Forscher eine Stunde lang an den Überresten des Schädels arbeiten. Von der Untersuchung mitgenommen hatte er Proben des Blutes von dem Sofa, auf dem Hitler sich erschossen hat, sowie eine Knochenprobe des Schädelfragments. Die Blutflecke auf dem Sofa konnten anhand der Fotos aus dem Führerbunker gut überprüft werden.

Die Ergebnisse waren eindeutig. Weder stimmten die Erbinformationen, noch das Geschlecht zwischen Schädel und Blut überein.

Laut Untersuchungen von "spiegel.de" sei mit diesen Ergebnissen die Verwirrung um das Schädelfragment aber noch nicht beendet. Der Vizechef des Staatsarchivs, Wladimir Koslow, erklärte der russischen Nachrichtenagentur RIA, ein Forscher Namens Bellantoni habe das Archiv in den letzten Jahren nicht besucht.

Die Forscher der Universität von Connecticut hingegen zeigen sich von diesen Aussagen überrascht. Auf Anfrage durch "spiegel.de" erklärte Bellantoni: " Ja, ich war in Moskau." Auch gebe es laut dem Onlinemagazin eindeutige Beweise für die Anwesenheit der Forscher im Russischen Staatsarchiv.

Die Kontroverse um das angebliche Schädelfragment des Führers wird offensichtlich noch einige Zeit andauern. Bis dahin werden auch die unsinnigsten Verschwörungstheorien zu Hitlers Überleben weiterhin existieren. Derartige Theorien haben schon traditionell die Angewohnheit ihre Protagonisten zu überleben.

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