Im sogenannten Vatileaks-Prozess ist der frühere päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele (m.) zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt worden
Im sogenannten Vatileaks-Prozess ist der frühere päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Gericht im Vatikan verhängte eine Grundstrafe von drei Jahren gegen den 46-Jährigen, reduzierte sie wegen früherer Verdienste um den Kirchenstaat jedoch zugleich um die Hälfte. Der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, stellte umgehend eine Begnadigung Gabrieles in Aussicht.
"Im Namen Seiner Heiligkeit" und "unter Anrufung des Heiligen Geists" sprach Richter Giuseppe Dalla Torre das Urteil, das Gabriele teilnahmslos entgegennahm. Zu der geringeren Strafe habe auch beigetragen, dass Gabriele nicht vorbestraft gewesen sei, gab das Gericht an. Außerdem habe sein "Bewusstsein, den Papst verraten zu haben", zu der Reduzierung geführt.
Gabriele hatte zugegeben, vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan kopiert und dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt zu haben, wies aber den von der Anklage erhobenen Vorwurf des "schweren Diebstahls" zurück. In der Schlussverhandlung des einwöchigen Prozesses bekräftigte Gabriele erneut, "kein Dieb" zu sein und "aus Liebe zur katholischen Kirche" gehandelt zu haben.
Die Staatsanwaltschaft forderte am vierten und letzten Tag des Prozesses drei Jahre Haft. Zudem solle gegen Gabriele ein Arbeitsverbot für den Staatsdienst verhängt werden, verlangte Ankläger Nicola Picardi. Nach der Entscheidung der Richter sprach Gabrieles Verteidigerin Cristiana Arru von "einem guten Urteil". Ob ein Berufungsprozess angestrebt werde, solle "geprüft" werden. Dafür gilt eine Frist von drei Tagen.
Die Überlegungen zu einem solchem Schritt könnten sich jedoch bald erledigt haben. Papstsprecher Lombardi trat kurz nach dem Urteilsspruch vor die Presse und nannte eine Begnadigung Gabrieles durch Benedikt XVI. "sehr wahrscheinlich". Wann das Oberhaupt der katholischen Kirche diese verkünden könnte, sagte er nicht.
Gabriele war im Mai festgenommen worden, saß mehrere Wochen lang im Gefängnis und stand zuletzt unter Hausarrest. Der verheiratete Vater dreier Kinder hält sich nicht für schuldig, weil er nach eigener Ansicht im Interesse des Papsts handelte. Er gab an, die Weitergabe der gestohlenen Papiere habe dem Kampf gegen "das Böse und Korruption" im Vatikan dienen sollen.
Die Vatileaks-Affäre gilt als einer der größten Skandale in der jüngeren Geschichte des Vatikans. In Nuzzis kürzlich auch auf Deutsch erschienenem Buch "Seine Heiligkeit" geht es vor allem um Macht und Geld. Unter anderem nimmt das Werk die wegen Vorwürfen der Geldwäsche kritisierte Vatikanbank ins Visier. Deren früherer Chef Ettore Gotti Tedeschi wurde im Mai entlassen.
Unklar ist auch nach dem Urteil, ob Gabriele allein handelte. Vor Monaten sprach er von "etwa 20" Gleichgesinnten im Vatikan. Am Dienstag gab er an, "ohne Komplizen" gehandelt zu haben, aber über viele "Kontakte" im Vatikan zu verfügen. Er sei zudem nicht der einzige gewesen, der "im Laufe der Jahre vertrauliche Informationen an die Medien weitergegeben" habe.
Nach Angaben der vatikanischen Polizei hatte Gabriele in seiner Wohnung im Vatikan "mehr als tausend Dokumente von Bedeutung" aus dem engsten Umfeld des Papsts gehortet. Dazu gehörten demnach Schriftstücke, die an Benedikt XVI. gerichtet oder von ihm unterschrieben waren, unter anderem auch Korrespondenz mit Kardinälen und Politikern.