Die Bundesregierung will den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst deutlich erhöhen. Die derzeitige Quote von 9,9 Prozent sei bei weitem nicht ausreichend, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU).
Die Bundesregierung will den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst deutlich erhöhen. Mit einer neu gestarteten Anzeigenkampagne und einer Internetseite sollen dafür gezielt Bewerber gefunden werden, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem fünften Integrationsgipfel in Berlin sagte. Ein nationaler Aktionsplan soll Erfolge bei der Integration messbar machen.
Merkel verwies darauf, dass es etwa bei der Feuerwehr noch viel zu wenige Migranten gebe. "Da ist der Sport schon weiter." Auch bei den Medien müsse der Anteil an Zuwanderern erhöht werden. Zurückhaltend äußerte sie sich zu einer festen Quote für Migranten im öffentlichen Dienst. Eine solche sei nicht an jeder Stelle hilfreich, sagte sie.
"Der öffentliche Dienst hat eine Vorbildfunktion, wenn es um den Arbeitsmarkt geht", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). Der Anteil der Migranten im öffentlichen Dienst sei mit 9,9 Prozent noch zu gering. Der Vizechef der Alevitischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, sagte, Migranten im öffentlichen Dienst dürfe es nicht nur in niedrigen Lohngruppen geben. Auch unter Schulleitern, Bürgermeistern und Polizeipräsidenten müssten sie vertreten sein.
In Schulen, Kindergärten, Polizei und Verwaltung sind Migranten nach wie vor unterrepräsentiert. Die Anzeigenkampagne der Bundesregierung soll durch eine Internetseite ergänzt werden. Auf der Website werden die rund 130 Ausbildungsberufe des Bundes zentral dargestellt. Auch aktuelle Stellen- und Ausbildungsangebote werden gebündelt veröffentlicht.
"Der nationale Integrationsplan ist Teil einer Willkommmenskultur", betonte Böhmer. "Migranten bringen vielfältige Möglichkeiten mit." Zu den Aufgaben des nationalen Aktionssplans Integration gehört nach ihren Worten auch der Bereich Pflege und Gesundheit. Für die wachsende Zahl älterer Migranten gibt es derzeit noch zuwenig Betreuungskräfte.
Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bezeichnete die vor einigen Monaten aufgedeckte Mordserie von Neonazis an Migranten als schockierend und schmerzhaft. "Das mahnt uns, im gesellschaftlichen Miteinander mehr Leidenschaft an den Tag zu legen", sagte sie auf der Pressekonferenz.
Die Opposition warf der Bundesregierung vor, mit dem Integrationsgipfel reine Symbolpolitik zu betreiben. "Auch nach diesem Gipfel wird sich an der Lebenssituation von Migranten in Deutschland kaum etwas ändern", erklärte die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen in Berlin. "Vier Jahre nach dem ersten Gipfel sind wenig positive Folgen zu spüren", erklärte der Grünen-Abgeordnete Mehmet Kilic.